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Warum du nicht weißt, was du willst – und warum das kein Problem ist


Orientierungslosigkeit, innere Unruhe & warum Nicht-Wissen oft der Anfang von etwas Echtem ist

Übergänge sind oft die Zeiten, in denen wir am meisten hinterfragen.Vergangenheit. Zukunft. Den aktuellen Stand. Uns selbst.

Und genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen.

„Ich weiß nur, dass es so nicht mehr richtig ist …“

Hand aufs Herz:Wenn ich dich jetzt frage, was du wirklich willst – hast du dann eine klare Antwort?

Oder kommt eher so ein inneres Zögern?Ein Gedanke wie:„Ich weiß nur, dass es so, wie es gerade ist, nicht mehr richtig ist … aber was stattdessen? Keine Ahnung.“

Vielleicht hast du viel erreicht.Du hast Ziele verfolgt. Du hast funktioniert. Du bist weitergegangen.Und trotzdem ist da dieses leise Ziehen – oft genau in der Magengegend:

Da muss doch noch mehr sein.Etwas anderes.Etwas Echteres.Das kann doch nicht alles gewesen sein.

Und gleichzeitig macht genau das Angst.Denn wir haben gelernt:Nicht zu wissen, was man will, wirkt planlos. Unentschlossen. Schwach. Unambitioniert.Was denken wohl die anderen?

Heute geht es nicht darum, diesen Zustand wegzumachen.Sondern ihn neu zu verstehen.

Denn vielleicht ist dein Nicht-Wissen gar kein Problem.Sondern ein Übergang.Und Übergänge sind oft genau dort, wo echte Veränderung beginnt.


Wenn alte Wege nicht mehr passen – und neue noch nicht sichtbar sind

Ich kenne diesen Zustand sehr gut.

Diese Phase, in der man merkt:Ich will nicht mehr dahin zurück, wo ich herkomme –aber ich habe auch noch kein klares Bild davon, wohin es gehen soll.

Und ich weiß, wie unangenehm sich das anfühlt.Wie schnell man versucht, diese innere Leere zu füllen:

Mit neuen Plänen.Neuen Ideen.Neuen Zielen.

Nicht unbedingt, weil sie sich stimmig anfühlen –sondern weil sie Halt geben.

Ein Ziel gibt Struktur.Ein Plan gibt Sicherheit.Auch dann, wenn er eigentlich gar nicht mehr passt.

Denn ein Plan bedeutet:Ich weiß, was auf mich zukommt.Ich behalte die Kontrolle.Ich werde nicht überrascht.

Erst viel später habe ich verstanden:Ich war nicht orientierungslos.Ich war zwischen zwei Identitäten.

Zwischen dem Alten, das sich nicht mehr richtig angefühlt hat.Und dem Neuen, das noch unsicher war – auch wenn da schon Neugier mitschwang.


Warum Nicht-Wissen so stressig ist

Unser Gehirn liebt Klarheit.

Es liebt bekannte Wege.Bekannte Rollen.Bekannte Labels.

Deshalb bleiben wir oft bei dem, was wir kennen – selbst dann, wenn es uns nicht mehr gut tut.Das ist unsere Komfortzone.

„Ich bin die, die …“– stark ist– diszipliniert ist– alles im Griff hat– auf die sich alle verlassen können– organisiert, macht, tut

Solange dieses Bild steht und der nächste Schritt klar ist, fühlt sich alles kontrollierbar an.Und Kontrolle fühlt sich sicher an.

Doch wenn dieses Bild zu bröckeln beginnt –wenn du merkst: Das bin ich irgendwie gar nicht mehr –entsteht Unruhe.

Nicht, weil du verloren bist.Sondern weil dein System Sicherheit verliert.

Viele Frauen, die ich begleite, denken:„Ich müsste doch wissen, was ich will. Ich war doch immer klar. Immer stark. Immer strukturiert.“

Doch genau hier liegt der Denkfehler:

Du versuchst, eine neue Richtung mit einem alten Kompass zu finden.Mit dem Kopf.Mit Logik.Mit Erwartungen.

Aber das, was sich gerade verändert, ist nicht dein Ziel –sondern dein innerer Maßstab.


Warum diese Phase oft Ende 20 / Anfang 30 auftaucht

Es ist kein Zufall, dass viele Frauen genau in dieser Lebensphase hier landen.

Bis dahin gab es oft einen klaren Weg:Schule. Ausbildung. Studium. Job. Nächster Karriereschritt.

Und irgendwann … steht da kein offensichtliches „Danach“ mehr.

Kein gesellschaftlich vorgegebener nächster Meilenstein.Kein klarer Plan von außen.

Und statt Erleichterung kommt Unsicherheit.Fragezeichen.Ein inneres Unbehagen.

Weil wir nie gelernt haben, uns selbst als Orientierung zu nutzen –sondern äußere Strukturen.

Wenn diese wegfallen, fühlt sich Freiheit erst mal nicht frei an.Sondern leer.Komisch.Beängstigend.


Der Perspektivwechsel: Vielleicht ist genau das Wachstum

Vielleicht ist das, was du gerade erlebst, kein Mangel an Klarheit.

Vielleicht ist es ein Zeichen von innerem Wachstum.

Du bist nicht planlos.Du bist dazwischen.

Die alte Version von dir funktioniert nicht mehr.Die neue ist noch nicht ganz greifbar.

Und dieses Dazwischen fühlt sich unbequem an –aber auch ehrlich.

Nicht-Wissen heißt nicht: Du hast versagt.Nicht-Wissen heißt oft: Du hörst zum ersten Mal wirklich hin.

Und das ist ein riesiger Schritt zurück zu dir selbst.


Drei sanfte Perspektiv-Shifts (ohne Zielsetzungsdruck)

Ich gebe dir heute keine Anleitung à la„Finde dein Warum in 5 Schritten“.

Stattdessen drei kleine Perspektivwechsel:

1. Hör auf zu fragen, was du willst – und beobachte, was dich lebendig macht

Nicht im großen Lebenssinn.Sondern im Kleinen:

  • Wann bist du präsent?

  • Wann vergisst du die Zeit?

  • Wann fühlst du dich ruhig – oder wach?

2. Erlaub dir Übergänge ohne Label

Du musst gerade nicht wissen, wer du bist.Es reicht, zu wissen, wer du nicht mehr bist.

3. Verwechsle Klarheit nicht mit Sicherheit

Manchmal entsteht Sicherheit nicht durch Antworten.Sondern dadurch, dass du lernst, dir selbst zu vertrauen –auch wenn du sie noch nicht hast.


Zum Abschluss: Nicht-Wissen ist kein Rückschritt

Wenn du gerade nicht weißt, was du willst,dann ist das kein Zeichen von Stillstand.Und schon gar kein Rückschritt.

Vielleicht ist es das erste Mal,dass du dich nicht mehr an Erwartungen anderer orientierst –sondern an dir.

Und das braucht Zeit.Und vor allem: Raum.

Denn hier geht es um mehr als ein Ziel.Es geht um Identität.Selbstvertrauen.Verbindung.

Nicht um schneller, höher, besser –sondern um echter.

Danke, dass du hier bist.Und danke, dass du dir erlaubst, gerade nicht alles zu wissen.

 
 
 

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