Warum du isst, obwohl du keinen Hunger hast
- Leonie Voglmaier
- 20. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Emotionales Essen verstehen: Warum Willenskraft nie das Problem war – und was dein Körper dir eigentlich sagen will
Kurzer Hinweis (Trigger-Warnung):In diesem Artikel geht es um emotionales Essen, Essanfälle, Scham rund ums Essen und Körperwahrnehmung. Wenn du merkst, dass dich das Thema stark triggert, lies bitte achtsam, pausiere – und hol dir Unterstützung. Dieser Beitrag ersetzt keine Therapie. Er soll dir Einordnung, Verständnis und vor allem Entlastung geben.
„Ich hab keinen Hunger… und stehe trotzdem in der Küche.“
Lass uns ehrlich sein – nicht Instagram-ehrlich, sondern echt.
Es gibt diese Momente:Dein Bauch ist eigentlich voll. Du hast keinen körperlichen Hunger.Und trotzdem stehst du in der Küche.
Du isst nicht, weil dein Körper es braucht – sondern weil etwas in dir es gerade braucht.Und meistens bleibt es nicht bei einem Stück Schokolade. Eher die ganze Packung. Oder diese typische Mischung aus süß und salzig.
Und noch bevor du überhaupt richtig geschmeckt hast, ist da schon diese zweite Stimme:
„Warum mach ich das schon wieder?“„Wieso hab ich das nicht im Griff?“
Vielleicht isst du schneller, als du willst. Vielleicht schlingst du.Vielleicht sogar heimlich – damit es niemand mitbekommt, was und wie viel du gerade isst.Nicht, weil du „komisch“ bist. Sondern weil du selbst spürst: Es fühlt sich nicht nach Genuss an. Eher nach Druck. Nach Scham.
Und oft passiert es abends.Wenn endlich alles ruhig ist. Wenn niemand mehr etwas von dir will.Wenn du runterkommst – und plötzlich kommt alles hoch, was tagsüber keinen Platz hatte.
Genau darüber sprechen wir heute.Nicht darüber, was du isst. Sondern warum.
Ich erzähl dir das nicht aus der Theorie
Ich war genau da. Und das über Jahre.
Ich habe früher nicht nur emotional gegessen – ich habe richtig viel auf einmal gegessen. Fast gefressen, wenn wir ehrlich sind.Ich habe mich dafür geschämt. Ich habe gegessen, wenn niemand zugeschaut hat: heimlich, schnell, nebenbei.
Und danach?War es nicht „entspannt“ oder „befriedigt“, sondern: noch unwohler. Noch frustrierter. Noch härter gegen mich selbst.
Nicht wegen dem Essen.Sondern wegen der Gedanken danach:
„Warum bin ich so?“„Warum schaff ich das nicht einfach?“„So nehme ich nie ab.“„So werde ich mich nie wohlfühlen.“
Und genau da beginnt das eigentliche Thema.Nicht beim Essen – sondern bei dem, was davor und danach passiert.Und oft passiert das alles in Stille. Für dich. Ohne dass jemand etwas mitbekommt.
Emotionales Essen ist kein Kontrollverlust – es ist ein Regulationsversuch
Der wichtigste Perspektivwechsel ist nicht:„Ich muss das Essen in den Griff bekommen.“
Sondern:„Ich darf verstehen, warum mein System gerade danach greift.“
Emotionales Essen ist kein Zeichen von Schwäche.Es ist ein Regulationsversuch.
Dein System versucht, etwas auszugleichen:
Spannung
Leere
Überforderung
Einsamkeit
inneren Druck
zu viel „tragen müssen“ im Alltag
Essen wirkt schnell.Es beruhigt. Es erdet. Es lenkt ab.Es gibt für einen Moment dieses Gefühl von: „Okay… kurz Pause.“
Und es ist verlässlich. Immer verfügbar. Ohne Diskussion.
Du tust das nicht, weil du undiszipliniert bist –sondern weil dein Körper gelernt hat:Das hilft mir gerade zu überleben.
Warum es sich kurzfristig „gut“ anfühlt (ohne Biologieunterricht)
Ganz kurz, ohne tiefes Fachseminar:
Essen aktiviert Dopamin – dein Belohnungssystem.Und das senkt kurzfristig Stress.
Wenn dein innerer Druck hoch ist (Cortisol, Anspannung, unterdrückte Emotionen), sucht dein System etwas, das schnell reguliert.Essen ist bequem. Schnell. Emotional aufgeladen. Verlässlich.
Das Problem ist also nicht das Essen.Das Problem ist, dass es oft der einzige Ort ist, an dem dein System kurz durchatmen darf.
Warum Willenskraft hier nie gewinnt
Der erste Impuls ist oft:„Ich muss mich mehr zusammenreißen.“„Morgen esse ich weniger.“„Ich mach eine Extra-Runde Sport.“
Aber emotionales Essen verschwindet nicht, wenn du es unterdrückst.Es wird nicht weniger, wenn du es verbietest.Und es wird definitiv nicht heilsam, wenn du es mit Scham bekämpfst.
Es wird erst dann leiser, wenn du verstehst, warum es da ist.
Denn oft geht es gar nicht um Essen.Es geht um:
zu wenig Raum für dich
zu wenig echte Pausen
zu wenig Kontakt mit dir
zu oft Grenzen überschreiten
zu viel Aushalten, zu viel Funktionieren
zu wenig innere Sicherheit
Essen wird dann zur einzigen Pause, die dein System sich noch erlaubt.
Der eigentliche Aha-Moment
Hier kommt der Satz, der so viel verändern kann:
👉 Dein Körper isst nicht gegen dich.👉 Er isst für dich – mit den Mitteln, die er kennt.
Und solange Essen die einzige Form von Entlastung ist, wird dein System immer wieder darauf zurückgreifen.
Die Frage ist also nicht:„Wie hör ich damit auf?“Sondern:👉 „Was fehlt mir gerade so sehr, dass Essen es ersetzen muss?“
Ein Zwischenraum: Was du vor dem Essen tun kannst
Heute bekommst du keine klassische „Übung“.Sondern einen kleinen Zwischenraum – bevor es losgeht.
Wenn du das nächste Mal merkst, dass du essen willst, obwohl du keinen Hunger hast:
Tu eine Sache vorher.Nicht danach. Nicht perfekt. Nur vorher.
Bleib kurz stehen.Leg eine Hand auf deinen Bauch oder deine Brust.Atme einmal länger aus als ein.
Nicht, um dich zu kontrollieren.Sondern um Kontakt aufzunehmen.
Und dann frag dich nur das:
„Was in mir will gerade beruhigt werden?“„Was schiebe ich gerade weg?“
Nicht lösen. Nicht bewerten. Nur wahrnehmen.
Manchmal ist Essen trotzdem die Antwort.Und manchmal wirst du merken:Ich brauche gerade etwas ganz anderes.
Beides ist okay.
Das ist kein Trainingsprogramm.Das ist Beziehung. Zu dir selbst.
Fazit: Emotionales Essen sagt nichts über Disziplin – sondern über Last
Emotionales Essen sagt nichts darüber, wie diszipliniert du bist.Es sagt etwas darüber, wie viel du trägst.
Der Weg raus ist nicht mehr Kontrolle.Sondern mehr Ehrlichkeit. Mehr Verbindung. Mehr Sicherheit im Körper.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast:„Okay, das ist tiefer als ein Essverhalten.“Dann stimmt das.
Hier geht’s nicht um Essen.Hier geht’s um Selbstkontakt.
Und genau da setze ich an:Nicht mit Verboten. Nicht mit Plänen.Sondern mit echter innerer Arbeit – Kopf, Körper und Nervensystem zusammen.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, melde dich gern bei mir.
Und wenn du jemanden kennst, der sich in diesem Thema wiedererkennt:Teil den Beitrag gern mit ihr. 🤍



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